Mit über 103000 Besuchenden und rund 850 Ausstellenden hat die Fantasy Basel 2026 ihre Position als grösstes Popkulturfestival der Schweiz bestätigt. In Halle 1.1 wurde gleichzeitig sichtbar, wie stark Popkultur, Wissenschaft und Technologie zusammenwachsen. Hochschulen, nationale Plattformen und Vereine zeigten dort Anwendungen aus Raumfahrt, Informatik und Elektronik – und erreichten damit ein junges, technikaffines Publikum.
Space-Bereich als Schaufenster für Anwendungen
Der vom Swiss Space Museum kuratierte Space-Bereich bot einen kompakten Überblick über die Schweizer Weltraumszene. Auf der Bühne diskutierten Fachleute aus Forschung und Industrie über Missionen, Technologien und Arbeitsalltag im All. Zwischen Modellrovern, Satellitenbildern, VR-Installationen und Infoscreens wurde deutlich: Die Schweiz ist im Weltraum längst mehr als nur Zulieferer; sie ist Teil eines Ökosystems mit Forschung, Anwendungen, Industrie und Nachwuchsprojekten.
Nationale Strukturen öffnen Türen für Firmen
Damit diese Community sichtbar auftreten kann, greifen im Hintergrund nationale Strukturen ineinander. Das Swiss Space Office und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation koordinieren die Schweizer Raumfahrtpolitik, investieren in Programme und verschaffen Forschungseinrichtungen und Unternehmen Zugang zu internationalen Missionen und Ausschreibungen. Eine zentrale Rolle spielt Space Exchange Switzerland, getragen von EPFL, ETH Zürich, Universität Zürich, FHNW und USI. Am SXS Stand wurde aufgezeigt, wie die Plattform Hochschulen, Industrie und Behörden vernetzt, über ESA-Programme informiert und bei Ausschreibungen unterstützt – mit konkreten Chancen für Firmen, etwa in Technologieprogrammen oder bei Nachwuchsprojekten.
Forschung, High-Performance Computing und Datenmengen
Mehrere Hochschulen nutzten die Messe, um Projekte direkt ans Publikum zu bringen. Die ETH Zürich (Departement fü Physik) präsentierte beispielsweise die Life Space Mission, die mithilfe von Infrarotmessungen Atmosphären entfernter Exoplaneten untersucht und nach chemischen Spuren des Lebens sucht. Die Universität Basel zeigte, wie Besuchende aus einem Bausatz und ihrem Mobiltelefon eine 3D-VR-Brille bauen können – ein Einstieg in Informatik und Visualisierung. Forschende erläuterten zudem, wie High-Performance Computing in internationalen Projekten wie SKAO und dem Schweizer Ableger SKACH eingesetzt wird, um gigantische Datenmengen aus der Radioastronomie auszuwerten. SKACH hatte zudem einen separaten Stand und informierte über aktuelle Projekte, erreichte Meilensteine und zeigte die Vision bis ca. 2050 auf. Es entsteht gerade ein Quadratkilometergrosses Teleskopfeld und immer wieder gibt es auch Ausschreibungen - hier kann die Schweizer Industrie direkt mitwirken.
Weltraumtechnik als Basis moderner Industrie
Viele Gespräche kreisten um die Feststellung, dass ohne Weltraumtechnik der heutige Alltag und zahlreiche Geschäftsmodelle kaum denkbar wären. Satellitenbasierte Dienste bilden die Grundlage für Navigation, Wetterprognosen, Erdbeobachtung, Logistik und digitale Anwendungen. Raumfahrtinfrastrukturen gelten zudem als kritische Voraussetzung für resiliente und sichere Kommunikation, etwa im Katastrophenfall oder im sicherheitsrelevanten Bereich. Für die Schweizer Techbranche eröffnen sich damit Perspektiven in Werkstoffen, Elektronik, Sensorik, Software, Datenanalyse und Kommunikationslösungen, die in internationalen Programmen laufend nachgefragt werden.
Low-Threshold-Zugang und Testfelder für Unternehmen
Wie niedrigschwellig der Einstieg in Funksysteme und Satellitenkommunikation sein kann, demonstrierte AMSAT Schweiz. Am Stand konnten Besuchende einen Sniffer zur Detektion elektromagnetischer Signale selbst zusammenbauen und so Funkaktivität sichtbar machen. Live-Daten von AMSAT-Satelliten sowie der Besuch einer ISS-Astronautin brachten das Thema zusätzlich näher. Ein mobiles Planetarium des Space Eye Observatoriums aus Niedermuhen bot einen immersiven Zugang zu Sternenhimmel, Planeten und Missionen und zeigte, dass Raumfahrttechnologie keineswegs abstrakt bleiben muss.
Nachwuchsrekrutierung jenseits klassischer Karrieremessen
Für Unternehmen und Verbände sind neben dem Angebot insbesondere die Besuchenden interessant. Die Fantasy Basel zieht eine junge, kreative und technikaffine Community an, die sich für Games, Sci-Fi, digitale Technologien und Wissenschaft begeistert – ein Umfeld, das sich eignet, um MINT-Berufe, Studiengänge und technische Ausbildungswege ins Gespräch zu bringen. Hochschulen und Initiativen wie Space Exchange Switzerland nutzen diese Chance bereits, indem sie vor Ort Fragen zu Studieninhalten, Berufsbildern und Einstiegsmöglichkeiten beantworten.
Organisatorin setzt auf Offenheit
Die Veranstalterin Fantasycon AG unterstützt diese Entwicklung ausdrücklich: Jede und jeder, der sich für Popkultur und Technik begeistern kann, kann Teil der Community werden. Die nächste Ausgabe der Fantasy Basel findet vom 6. bis 8. Mai 2027 in der Messe Basel statt. Darüber hinaus organisiert die Fantasycon AG die Pop Con Game Show in Zürich, die am 26. und 27. September 2026 stattfinden wird und ein ähnliches Zusammenspiel aus Popkultur, Technologie und Community anbietet.