Ein Museum muss nicht gross sein, um Grosses zu zeigen. Auf gerade einmal 150 Quadratmetern erzählt das Swiss Space Museum die Geschichte der Raumfahrt – von ihren frühen Pionieren über Gemini und Apollo bis zum Space Shuttle. Auch aktuelle Missionen, neue Technologien, kommerzielle Raumfahrt und Populärkultur gehören dazu.
Raumfahrt zum Anfassen
Die Ausstellung lebt von ihren Objekten. Zu sehen sind zahlreiche originale Artefakte. Ein besonderer Blickfang ist der 1:1-Nachbau des Cockpits der Apollo-Mondlandefähre. Daneben finden sich unter anderem ein geflogener Sojus-Raketenmotor, ein authentischer Sokol-Raumanzug und weitere Zeitzeugen der Raumfahrtgeschichte.
Die Idee hinter dem Museum ist älter als seine heutigen Räumlichkeiten. Gründer und Direktor Guido Schwarz wollte in der Schweiz einen Ort schaffen, an dem Raumfahrt handfest vermittelt wird. «Reale Objekte, spannende Hintergrundgeschichten und der direkte Austausch mit Menschen, die selbst in Forschung, Technik und Raumfahrt tätig sind, macht den Unterschied und ist der Schlüssel zu einem echten Raumfahrterlebnis», sagt Schwarz.
Ende 2024 öffnete das Swiss Space Museum seine Türen. Getragen wird es von einem Team von Weltraumenthusiasten, das über Jahre ein grosses nationales und internationales Netzwerk aufgebaut hat. Wissenschaft, Ingenieurwesen, Raumfahrtexpertise und Industrie gehören dazu. Diese Vernetzung ist im Museumsalltag spürbar: Zu jedem regulären Besuch gehören Führungen, am Sonntag kommen Referate von Fachpersonen hinzu. Das Publikum kann Fragen stellen und mit Fachpersonen ins Gespräch kommen. Raumfahrt wird nicht bloss ausgestellt – sie wird gelebt.
Wenn Technik Geschichten erzählt
Kinder und Jugendliche sollen im Museum nicht nur erfahren, wie Raumfahrt funktioniert, sondern vor allem Lust auf Technik, Wissenschaft und eigene Entdeckungen bekommen. An konkreten Objekten entdecken Familien und Schulklassen, wie viel Ingenieurleistung, Forschung, Präzision und Teamarbeit hinter einer Raumfahrtmission stecken. Aus einem Raketenmotor, einem Raumanzug oder einem Cockpit werden so Ausgangspunkte für Fragen: Wie funktioniert das? Warum wurde es so konstruiert? Und was müsste man heute anders machen? Das Museum möchte damit Neugier wecken, MINT-Kompetenzen fördern und junge Menschen für ihre eigenen Wege in Wissenschaft und Technik inspirieren.
Wie viel technisches Know-how auch in den eigenen Projekten steckt, zeigt das 1:4-Modell des James Webb Space Telescope, das jeweils an Grossevents wie der Fantasy Basel zu sehen ist. Mehr als 1000 Arbeitsstunden investierte das Team in den über fünf Meter langen Nachbau. Selbst vermeintlich einfache Formen erwiesen sich dabei als konstruktive Herausforderung. Guido Schwarz sagt dazu mit einem Schmunzeln: «Hätten wir das bereits zu Beginn gewusst, dann weiss ich nicht, ob wir uns dieses Projekt aufgeladen hätten.»
Zum Selbstverständnis des Museums gehört auch der Schutz des technischen und historischen Kulturerbes. Ein Beispiel ist das Rettungsprojekt rund um das europäische Automated Transfer Vehicle (ATV), das mittlerweile im Space Eye nahe Bern ausgestellt ist. Schwarz und sein Team setzen sich dafür ein, solche Zeitzeugen für kommende Generationen zu bewahren.
Ein Netzwerk mit Orbit
Das Netzwerk zeigt sich auch in den Ambassadoren des Museums. Dazu gehören der Schweizer Astronaut Claude Nicollier, Bill Diamond, Direktor des SETI Institute, sowie Prof. Christoph Mordasini, Professor für theoretische Planetologie und Direktor der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern. Sie stehen für die Verbindung von Raumfahrt, internationaler Forschung und Schweizer Expertise.
Geöffnet ist das Museum am letzten Wochenende des Monats. Für Unternehmen, Organisationen und Gruppen werden individuelle Führungen und Veranstaltungen angeboten. Damit bietet es einen besonderen Rahmen für Team-Events, Kundenanlässe oder Fachveranstaltungen.
Wo die Space-Community zuhause ist
Das Swiss Space Museum versteht sich als erste Anlaufstelle für alle, die sich für Raumfahrt und Weltraumforschung interessieren, und als Heimathafen für die Space-Community. Seine Stärke liegt in der Verbindung von historischen Originalen, aktueller Forschung, Ingenieurwissen, Populärkultur und Schweizer Expertise.
«Kleines Museum, grosse Geschichten, unglaubliche Artefakte» ist deshalb mehr als ein Motto. Es beschreibt ziemlich genau, was Besucherinnen und Besucher in Regensdorf erwartet. Denn wie beim historischen Mondspaziergang von Apollo 11 kommt es letztlich nicht auf die Grösse des Terrains an, sondern darauf, was man darauf entdeckt.
Mehr zum Museum hier: www.swissspacemuseum.ch