Vom 13. bis 15. Januar 2026 fand die Euroguss in Nürnberg statt und präsentierte sich zu ihrem 30-jährigen Jubiläum grösser denn je. In erstmals sechs Messehallen zeigten 722 Aussteller aus 37 Ländern ihre Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Druckgusses. Rund 15’000 Fachbesucher informierten sich über technologische Entwicklungen und neue Anwendungsfelder.
Druckguss als Enabler moderner Wertschöpfung
Die Messe unterstrich die Bedeutung von Aluminium-, Magnesium- und Zinkdruckguss für die wirtschaftliche Serienfertigung hochkomplexer Bauteile. Druckgussteile sind integraler Bestandteil moderner Wertschöpfung in Mobilität, Infrastruktur und Industrieanwendungen und eröffnen neue Marktsegmente.
Phuong Anh Do, verantwortlich für die strategische und konzeptionelle Weiterentwicklung der Veranstaltungsmarke, erklärte: «Drei Tage Druckguss live, rundum positive Stimmung – ich bin begeistert, wie die Branche gemeinsam die Zukunft des Druckgusses in Europa gestaltet. Die Euroguss ist ein Erfolgskonzept, bei dem die gesamte Wertschöpfungskette des Druckgusses inklusive der Druckgiessereien als Innovationstreiber zusammenkommt.»
Internationale Besucher und Entscheider vor Ort
Nahezu jeder dritte Aussteller sowie rund die Hälfte der Besucher reisten aus dem Ausland an, insbesondere aus Italien, Österreich, Polen, Tschechien, der Türkei und der Schweiz. Auch aus Nordamerika, Indien und Asien war das Interesse gross. Vertreten waren neben OEMs und Tier-1-Zulieferern Anwender aus Elektrotechnik, Energie, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie weiteren Industriebereichen.
Ein Aussteller bestätigt die Qualität des Publikums: «Wir sind mit der Qualität der Besucher sehr zufrieden. Wir hatten hochrangige Entscheidungsträger und eine sehr gute Resonanz an unserem Stand», so Aulbach Pressenbau. Kira Jülicher, Geschäftsführung der COURS GmbH & Co. KG, fasst ihre Eindrücke zusammen: «Metallische Innovationen europaweit an einem Ort. Ich bin beeindruckt von den zahlreichen Ständen und den Ausstellungsteilen und davon, wie offen die Unternehmen für neue Kontakte sind – sowohl auf Lieferanten- als auch auf Kundenebene.»
Technologische Schwerpunkte: Megacasting, KI und neue Gussverfahren
Zu den zentralen Themen der Euroguss 2026 zählten Megacasting, Digitalisierung und KI, Materialinnovationen, Leichtbau, Qualitätssicherung sowie Recycling. Megacasting ermöglicht die Herstellung sehr grosser Bauteile in einem einzigen Gussprozess und bietet insbesondere für die Automobilindustrie Potenzial zur Reduktion von Teileanzahl und Montageaufwand.
Auch KI-gestützte Prozessführung und Qualitätssicherung standen im Fokus. Simon Schmidt vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) betonte: «Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Technologie an sich, sondern auf messbaren Auswirkungen: reduzierte Ausfallzeiten, weniger Ausschuss, verbesserte Energieeffizienz und schnelleres Lernen über Prozesse und Standorte hinweg.»
Michael Heuser, ebenfalls IFAM, ergänzte: «Der eigentliche Nutzen von KI-Einsatz findet in der Datenveredelung statt: Wir bewegen uns von der reinen Überwachung hin zu proaktiven, KI-gestützten Prozessoptimierungen in Echtzeit.»
Ein weiterer Schwerpunkt war das Rheocasting-Verfahren. Fabian Niklas, Gründer und Geschäftsführer der CASTING-CAMPUS GmbH, erklärte: «Rheocasting, eine Erweiterung des Druckgussprozesses mittels eines Semi-Solids, ermöglicht den Anwendungsbereich deutlich zu erweitern – mit Eigenschaften, die ein Alleinstellungsmerkmal bieten.»
Wissensplattform und Nachwuchsförderung
Begleitend zur Messe bot der 25. Druckgusstag sowie die SpeakersCorner mit 47 Fachvorträgen intensiven Wissenstransfer. Themen waren unter anderem Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Nachwuchsförderung. Beim Young Talent Day und dem Euroguss Talent Award wurde zudem gezielt der Nachwuchs in der Druckgussbranche angesprochen.
Ausblick
Die nächste Euroguss findet vom 18. bis 20. Januar 2028 in Nürnberg statt. Weitere internationale Veranstaltungen der Euroguss-Familie sind für 2026 und 2027 in Paris, New Delhi und Guadalajara geplant.