Vom 20. bis 22. Januar 2026 war die Messe Luzern erneut der zentrale Treffpunkt für die Schweizer Kunststoffindustrie. Rund 3800 Fachpersonen informierten sich an der Swiss Plastics Expo, die alle drei Jahre stattfindet, über neue Technologien, Materialien und Dienstleistungen. 200 Aussteller präsentierten Lösungen für eine effiziente, moderne und zunehmend nachhaltige Kunststoffverarbeitung.
Messeleitung und Aussteller zogen ein positives Fazit angesichts der vielen Innovationen und der Vorteile persönlichen Austauschs und live Vorführungen gegenüber digitalen Formaten oder Broschüren. Dennoch verzeichnete neben der physischen Messe auch die Onlineplattform grosses Interesse. Rund 11'000 Nutzerinnen und Nutzer informierten sich vor und während der Veranstaltung über Ausstellerbeiträge, Produktneuheiten und Fachthemen.
Technologische Neuheiten und praxisnahe Anwendungen
Zahlreiche Unternehmen nutzten die Swiss Plastics Expo als Bühne für Innovationen. Die Bandbreite der Exponate reichte von Automatisierungslösungen über additive Fertigung bis hin zu innovativen Werkstoffen und Fertigungsprozessen – ein Spiegel der technologischen Vielfalt und der zunehmenden Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Symposien: KI und Nachhaltigkeit als Leitthemen
Ein zentraler Bestandteil der Swiss Plastics Expo war erneut die Wissensvermittlung. In zwei Symposien boten während drei Tagen 60 Referate einen umfassenden Überblick über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen. Im Fokus standen Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit.
Die Referierenden zeigten praxisnah, wie digitale Technologien Produktionsprozesse optimieren, Ausschuss reduzieren und Qualität sichern können. Gleichzeitig wurde diskutiert, wie Kreislaufwirtschaft, Recyclingfähigkeit und materialeffiziente Konstruktion zunehmend in industrielle Anwendungen überführt werden.
Swiss Plastics Expo Award 2026
Bereits zum dritten Mal wurde im Rahmen der Messe der Swiss Plastics Expo Award verliehen. Prämiert wurden zukunftsweisende Projekte in den Kategorien Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Produktinnovation sowie Publikumsliebling. Die Signalwirkung des Awards soll die Innovationsleistung der Kunststoffindustrie sichtbar machen.
In den drei Fachkategorien entschied eine Jury aus Vertretern von Industrie, Wissenschaft und Medien. Der Publikumspreis basierte auf dem Online-Applaus der Messebesuchenden. Nominierungen und Gewinner zeigten die thematische Breite und technologische Tiefe der Branche – von KI-gestützter Prozessautomatisierung über nachhaltige Materiallösungen bis hin zu neuen Fügetechnologien.
- Kategorie Digitalisierung: Ausgezeichnet wurde das Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung (IWK) der OST – Ostschweizer Fachhochschule für ein Projekt zur automatisierten Konstruktion von 3D-gedruckten Vakuumgreifern für den Spritzgiessprozess. Der entwickelte webbasierte Konfigurator generiert ausgehend von 3D-Daten eines Spritzgiessbauteils automatisch massgeschneiderte Greifergeometrien, schätzt die Herstellkosten ab und erzeugt druckfertige Dateien. Ziel ist es, den bislang zeitintensiven Designprozess in der additiven Fertigung deutlich zu verkürzen und damit Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit zu erhöhen. Nominiert waren zudem Engel mit der Weiterentwicklung von Inject 4.0 zu Inject AI, der ersten autonomen Spritzgiesszelle, sowie Tide Ocean SA mit dem Einsatz von Nanotracern zur verbesserten Rückverfolgbarkeit von Kunststoffrezyklaten.
- Kategorie Nachhaltigkeit: In der Kategorie Nachhaltigkeit überzeugte erneut das IWK mit dem Projekt «Sane Membrane», einer fluor- und lösungsmittelfreien Funktionsmembran für Textilien. Die in Zusammenarbeit mit Dimpora entwickelte Lösung kombiniert hohe Wasserdichtheit mit Atmungsaktivität und kommt vollständig ohne PFAS sowie Lösungsmittel aus. Der Ansatz adressiert zentrale ökologische und gesundheitliche Herausforderungen der Textilindustrie und eröffnet neue Perspektiven für nachhaltige Schutz- und Outdoorbekleidung. Nominiert waren zudem ein PFAS-freies Elastomer als Ersatz für FKM-Dämpfungsringe, entwickelt am Institut für Kunststofftechnik der FHNW, sowie Vibreon, eine neue Generation von Ultraschall-Konvertern der Rinco Ultrasonics AG, die Effizienz und Energieverbrauch in industriellen Schweissprozessen optimiert.
- Kategorie Produktinnovation: Der Award für Produktinnovation ging an das IWK für ein neuartiges Verfahren zum Laserschweissen von Kunststoffen. Durch eine gezielte Modifikation des klassischen Laserdurchstrahlschweissens können erstmals ausschliesslich laserabsorbierende Substrate verarbeitet werden – ohne materialmodifizierende Additive. Dies reduziert Prozesskomplexität und Kosten und erweitert gleichzeitig die werkstoffliche Gestaltungsfreiheit. Ergänzt wird der Ansatz durch einen quasi-simultanen beidseitigen Schweissprozess, der geometrisch homogene und hochfeste Verbindungen ermöglicht. Als Nominierte traten die Hrsflow GmbH mit einer revolutionierten Heisskanal-Technologie sowie die Primaform AG mit einem neu gedachten Spritzgiesskonzept an.
- Publikumsliebling: Den Publikumspreis sicherte sich Engel mit Inject AI. Die KI-basierte Plattform analysiert kontinuierlich Prozessdaten, erkennt Abweichungen in Echtzeit und korrigiert sie automatisch. Dadurch lassen sich Ausschuss reduzieren, Materialeinsparungen von bis zu fünf Prozent erzielen und Rüst- sowie Einstellzeiten signifikant verkürzen. Die Lösung ebnet den Weg zur autonomen, selbstoptimierenden Spritzgiesszelle.
Forschung und Industrie eng verzahnt
Auffällig war 2026 die starke Präsenz anwendungsnaher Forschungsprojekte. Insbesondere das IWK der OST überzeugte mit mehreren praxisrelevanten Entwicklungen. Das ausgezeichnete Projekt zur automatisierten Konstruktion von 3D-gedruckten Vakuumgreifern adressiert einen zentralen Engpass der additiven Fertigung: den zeitintensiven Designprozess. Mithilfe eines webbasierten Konfigurators können Greifergeometrien automatisiert generiert, Kosten abgeschätzt und druckfertige Dateien erstellt werden.
Auch die «Sane Membrane» setzt neue Massstäbe: Die fluor- und lösungsmittelfreie Funktionsmembran verbindet hohe Wasserdichtheit mit Atmungsaktivität und eröffnet neue Perspektiven für nachhaltige Textil- und Schutzbekleidungsanwendungen. Das prämierte Laserschweissverfahren wiederum ermöglicht robuste Kunststoffverbindungen ohne materialmodifizierende Additive und reduziert so Prozesskomplexität und Kosten.
Dem gegenüber stand mit Inject AI von Engel eine industrielle KI-Lösung, die autonome Prozessregelung, Materialeinsparung und signifikant verkürzte Rüstzeiten kombiniert – und damit den Weg zur selbstoptimierenden Spritzgiesszelle ebnet.
Ausblick
Die Swiss Plastics Expo 2026 zeigte eindrücklich, wie eng technologische Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit inzwischen miteinander verzahnt sind. Die Kombination aus industriellen Anwendungen, anwendungsorientierter Forschung und intensivem fachlichem Austausch bestätigte die Messe als zentrale Plattform der Schweizer Kunststoffbranche.
Die nächste Swiss Plastics Expo findet vom 23. bis 25. Januar 2029 in Luzern statt.